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VÖLKER DER ERDE
 
Völker der Erde
ihr, die ihr euch mit der Kraft der unbekannten
Gestirne umwickelt wie Garnrollen,
die ihr näht und wieder auftrennt das Genähte,
die ihr in die Sprachverwirrung steigt
wie in Bienenkörbe,
um im Süßen zu stechen
und gestochen zu werden -
 
Völker der Erde,
zerstört nicht das Weltall der Worte,
zerschneidet nicht mit den Messern des Hasses
den Laut, der mit dem Atem zugleich geboren wurde.
 
Völker der Erde,
O dass nicht Einer Tod meine, wenn er Leben sagt -
und nicht Einer Blut, wenn er Wiege spricht -
 
Völker der Erde,
lasset die Worte an ihrer Quelle,
denn sie sind es, die die Horizonte
in die wahren Himmel rücken können
und mit ihrer abgewandten Seite
wie eine Maske dahinter die Nacht gähnt
die Sterne gebären helfen -
 
Nelly Sachs
*1891 Berlin
+1970 Stockholm

 
Machen wir uns diese mahnende Erkenntnis zu eigen:
Wer „das Weltall der Worte“ zerstört,
​zerstört am Ende das Leben der Menschen.
 
Wohltuende Frühjahrswochen wünscht darüber hinaus
die PAKS-Vorstandschaft

​
Foto: Bernhard Apel
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Der Engel im Walde

​
Ich aber traf ihn nachmittags im Wald.
Ein Wunder, das durch Buchenräume ging.
So menschenfern, so steigend die Gestalt,
Dass blaue Luft im Fittich sich verfing.

Das Antlitz schien ein reines, stilles Leid,
Sehr sanft und silbrig rieselte das Haar,
In großen Falten schritt das weiße Kleid.
Er schaffte nichts, er sagte nichts; er war.

Und nichts an ihm, was schreckte, was verbot.
Und dennoch: keines Sterbens Weggenoss,
Dass meine Lippe, ob auch unbedroht,
Erstaunten Ruf, die Frage stumm verschloss.

Das Blatt entwehte an sein Gürtelband,
Vergilbt und schon ein wenig krausgerollt;
Er fing und trug es in der schmalen Hand
Wie ein Geschenk aus Bronze und aus Gold.

Wer sah ihm zu? Das Eichhorn, rot am Ast,
Und Rehe, die das Buschwerk schnell verlor.
Und Erlen wanden schon im  Abendglast
Wie schwarze Schlangen züngelnd sich empor.

Er regte kaum die dünne Blätterschicht
Mit weichem Fuß. Er hatte ewig Zeit
Und zog: wohin? In Stadt und Dörfer nicht.
Er wallte außer aller Wirklichkeit.

Nicht unsre Not, nicht unser armes Glück,
Nur keusche Ruhe barg sein Schwingenpaar.
Ich folgte nach und stand und blieb zurück.
Er brachte nichts, er sagte nichts: er war.

Gertrud Kolmar
* 1894 Berlin
+ 1943 Auschwitz
 

Mit dem Erwachen der Natur sind vielgestaltige Begegnungen in stillem Zauber möglich.
Wir wünschen ebensolche während der kommenden Frühjahrswochen.
 
Die PAKS-Vorstandschaft
​
Foto: Bernhard Apel
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Flug

Wie wir die Flügel jetzt heben,
wer weiß, in welche Gefahr,
welches Leben – und Überleben
jenseits von allem was war.

Durch Andromedas Nebelgewänder,
die Krone Ariadnes im Haar,
unter uns taumelnde Länder
jenseits von allem was war.

Spurlos, vom Sternwind umstoben
fliehn wir, der Schwerkraft enthoben,
in die wirbelnde Galaxie.

Wieviel Angst vor diesem Gelingen,
wieviel Zuversicht unter den Schwingen:
Jetzt oder nie.

Dagmar Nick
Haben wir Mut, uns weiterhin aufzumachen in den unbekannten Zeitraum, der noch vor uns liegt! Das Sonett gibt dazu eine Anleitung.

Mit besten Wünschen.
Die PAKS-Vorstandschaft


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​Wichtige Sätze


Wichtige Sätze
am Morgen, mittags und gegen Abend zu wiederholen:
Das Leben meiner Kinder
ist das Leben meiner Kinder.
Wie sie wachsen,
wie sie gedeihen,
wie sie fortgehen.
Sätze, mehrmals am Tag zu wiederholen, und öfter:
Mein Leben ist mein Leben.
Auch ich wachse,
fortgehend.
Vielleicht.
Diese Sprache,
am Morgen, mittags und am Abend zu wiederholen,
ist meine Sprache.
Zum Ankommen,
und zum Abschied.

Angelika Overath
Erkenntnis zu Verantwortung für sich und andere möge durch das neue Schuljahr begleiten!
Beste Wünsche!


​Die PAKS-Vorstandschaft

Foto: Bernhard Apel, Holocaust-Mahnmal Berlin
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Foto: Bernhard Apel,  Streetart Tirana
Vergrätzung des Bären
 
Seit Wochen schon geht
Wieder der Bär um der braune Gesell
Aus uralischen Wäldern kommend
Auf sein altes Terrain.
 
Packt ihn der Hunger, zupft er
Beeren sich ab, nimmt manchmal dem
Wanderer
Kuchen und Wein aus dem Korb oder
Er reißt am Rande des Dorfs
Das sanftmütige Lamm.
 
Die Bürger von Uri, Tury, Schlury
Halten Ratssitzung ab: wie man
Sich des Bären entledige ohne den Bären
Zu töten.
 
Seit Wochen nun gehen
Die Leute im Wald um
Mit Radios und Rasseln und Tuten und
Kreischen und
Alphorngestöß bis
Sich der Bär die Tatzen zerbeißt und die
Ohren
Bluten und er fortwankt woher
Er gekommen und das
Weiß der Herrgott allein.
 
Kerstin Hensel
 
 
Ein bisschen Humor in angespannten Zeiten tut Not. Zudem sind die Zeilen eine augenzwinkernde Kommentierung der immer mal wieder diskutierten Abschussfreigabe für einen Problembären. Wir wünschen entspannte Waldspaziergänge in den Pfingstferien und Erholung in der unterrichtsfreien Zeit.
 
Die PAKS-Vorstandschaft
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Im Sonnenlicht
 
Die Sonne, wie sie mir zufällt,
kupfern und golden,
dem blinzelnden Schläfer, -
ich habe sie nicht verlangt.
 
Ich will sie nicht, wie sie die Haut mir bräunt
und mir Gutes tut,
ich fürchte das Glück, -
ich habe es nicht verlangt.
 
Die ihr sie hinnehmt,
kupfern und golden,
dass sie das Weizenkorn härtet,
dass sie die Traube kocht, -
wer seid ihr, dass ihr nicht bangt?
 
Was üppig sie gab,
was wir genommen ohne Besinnen,
das unverlangte Geschenk, -
eines bestürzenden Tages
wird es zurückverlangt.
 
Was zu verschwenden erlaubt war,
die kupferne Scheidemünze,
die Haufen Goldes,
die vertanen Reichtümer, - genau
wird es zurückverlangt.
 
Aber wir werden leere Taschen haben
und der Gläubiger ist unbarmherzig.
Womit werden wir zahlen?
O Brüder, dass ihr nicht bangt!
 
 
Günter Eich
 
 
​
Wir wünschen allen Mitgliedern, Freundinnen und Freunden erholsame Sommerferien, Abstand vom Schulalltag und Zeit, um zur Ruhe zu kommen. Und in solchen Momenten ist Raum, die mahnenden Zeilen von Günter Eich zu durchdenken und wirken zu lassen. Allumfassend gestärkt möge dann das neue Schuljahr im September beginnen.
 
Die PAKS-Vorstandschaft
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​Im Sommer
 
Dünn besiedelt das Land.
Trotz riesigen Feldern und Maschinen
Liegen die Dörfer schläfrig
In Buchsbaumgärten; die Katzen
Trifft selten ein Steinwurf.
 
Im August fallen Sterne.
Im September bläst man die Jagd an.
Noch fliegt die Graugans, spaziert der Storch
Durch unvergiftete Wiesen. Ach, die Wolken
Wie Berge fliegen sie über die Wälder.
 
Wenn man hier keine Zeitung hält
Ist die Welt in Ordnung.
In Pflaumenmuskesseln
Spiegelt sich schön das eigene Gesicht und
feuerrot leuchten die Felder.
 
Sarah Kirsch


Nun geht’s auf die letzte Etappe des Schuljahres. Die Zeilen von Sarah Kirsch begleiten bis dahin, steigern die Vorfreude auf die schulfreie Sommerzeit und geben Anregung, sie sinnvoll zu nützen.
 
Mit den besten Wünschen.
Die PAKS-Vorstandschaft
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WÖRTER TAUSCHEN WIE RINGE
 
Wörter tauschen wie Ringe,
Jahre tauschen wie Atem,
in die Wörter gehen,
der Liebe auf den Grund,
in die Jahre kommen -
mit
einander.

 
Peter Härtling
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WÖRTER TAUSCHEN WIE RINGE
 
Wörter tauschen wie Ringe,
Jahre tauschen wie Atem,
in die Wörter gehen,
der Liebe auf den Grund,
in die Jahre kommen -
mit
einander.

 
Peter Härtling
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WÖRTER TAUSCHEN WIE RINGE
 
Wörter tauschen wie Ringe,
Jahre tauschen wie Atem,
in die Wörter gehen,
der Liebe auf den Grund,
in die Jahre kommen -
mit
einander.

 
Peter Härtling
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Ein Wort zur Zeit
(Taube)
DAS LIED VON DER MOLDAU
Am Grunde der Moldau wandern die Steine
Es liegen drei Kaiser begraben in Prag.
Das Große bleibt groß nicht und klein nicht das Kleine.
Die Nacht hat zwölf Stunden, dann kommt schon der Tag.
Es wechseln die Zeiten. Die riesigen Pläne
Der Mächtigen kommen am Ende zum Halt.
Und gehn sie einher auch wie blutige Hähne
Es wechseln die Zeiten, da hilft kein Gewalt.
Am Grunde der Moldau wandern die Steine
Es liegen drei Kaiser begraben in Prag.
Das Große bleibt groß nicht und klein nicht das Kleine.
Die Nacht hat zwölf Stunden, dann kommt schon der Tag.
Bertolt Brecht
(Taube)
 Wir wünschen frohe Weihnachtstage und in den Ferien Entspannung. Erneuter Schneeeinbruch erfreut in der unterrichtsfreien Zeit stärker als während des Schulalltags.
Möge sich also Schnee erneut einstellen und uns ins neue Jahr hinein begleiten mit einem Blick dann schon auf den nächsten Jahreszeitenwechsel!
 
Die PAKS-Vorstandschaft
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SCHÖN UND GUT UND KLAR UND WAHR

Da sind diese vier weißen Tauben,
die sich in das Blau des Himmels schrauben.
Sie leuchten sehr auf beim Steigen,
um sich kurz drauf dunkel zu zeigen.
Das machen sie immer gemeinsam,
nie flog auch nur eine je einsam.
Warum die das tun? Keine Ahnung.
Möglicherweise als Mahnung.
Es ist schön, sich im Aufwind zu wiegen.
Es ist gut, nicht alleine zu fliegen.
Es ist klar, dass Steigen schon viel ist.
Es ist wahr, dass der Weg das Ziel ist.

Robert Gernhardt
2008 feierten wir auf dem Hesselberg das 20jährige Bestehen von PAKS. Tauben - die Friedensvögel schlechthin – unterstreichen einmal mehr die bewusst gewählte Klangbezüglichkeit, die der Abkürzung PAKS innewohnt. Innerhalb des theatralen Festakts war das Gernhardt-Gedicht Kernpunkt und pries den unverbrüchlichen Zusammenhalt
unserer Gemeinschaft, die den Förderverein auszeichnet.

In den poetischen Zeilen stecken sehnliche Wünsche, die in der bevorstehenden Herbstferienzeit und in den Tagen 
​
danach in Erfüllung gehen mögen. Auf dem Weg zu sein, schwankend zwischen Freud und Leid ist schon viel. Aber immer soll's schön und gut und klar und wahr bleiben.
​
Die PAKS-Vorstandschaft
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