Ohne Geheimcode kein Entkommen
„Der Bücherwurm“ / Theater-AG und Chor der Mozart-Grundschule Aschaffenburg-Obernau unter Leitung von Regina Kauer-Quast und Martina Rack, Sonja Augustin (Chor), Beate Stangl (Klavier)
„Der Bücherwurm“ / Theater-AG und Chor der Mozart-Grundschule Aschaffenburg-Obernau unter Leitung von Regina Kauer-Quast und Martina Rack, Sonja Augustin (Chor), Beate Stangl (Klavier)
Ein musikalisch durchwirktes Theaterstück mit Chorgesang, Orff-Instrumenten und sogar einer Ouvertüre, wenn auch ohne Töne. Kinder betreten die Bühne, präsentieren selbstbewusst vorne an der Rampe ihre persönlichen Vorlieben fürs Lesen und bekräftigen ihre Positionen jeweils durch eine Geste: Lesen entspannt, ist toll, ist spannend, ist einfach nur schön, vertreibt die Langeweile, ist (natürlich) geil. Nach und nach bilden sie dann in Kleingruppen auf der Bühne verteilt ein Geflecht von Leseinfizierten. Ein solches Bild hat größere Kraft als jede perfekte Projektion.
Des Vorhangs hätte es nach diesem musikalischen Auftakt nicht bedurft, denn sogleich tritt der große Chor auf und besingt mehrstrophig die kindliche Leseleidenschaft. Es ist erstaunlich, mit welcher Konzentration und Textsicherheit die Kinder vokalen Wohlklang hören lassen, auch wenn schließlich zum Orff-Einsatz noch Playback-Begleitung dazukommt. Nach dem Abtreten wird der Blick frei auf die zu große Projektion eines, Kinderzimmers, vor dem ein Mädchen sich schimpfend über die lästige Hausaufgabe auslässt, bis sein Blick auf die gefüllte Bücherkiste fällt. Da wird kurzentschlossen aussortiert und weggeworfen. Aber das ist ja nun die Höhe! Vier Bücher melden sich entrüstet mit Sandwich-Plakaten behängt zu Wort: Das Märchenbuch, das Fantasiebuch, das Pilz-Sachbuch und das Detektivbuch. Sie bringen das Mädchen zur Räson.
Nach einem Zwischenspiel von Klavier und Glockenspiel erscheint vor einer riesigen Projektion fliegender Bücher bei Schönwetterhimmel der resolute Bücherwurm mit seinem schlaffen Sack, der an einen Wurmfortsatz erinnert, um das Mädchen durch das Zauberreich dieser vier Bücher zu begleiten. Der tritt musikalisch mit dem großen Chor auf, denn ihm zu Ehren wird ja das Lied vom Bücherwurm gesungen, währenddessen das Mädchen immer noch aufsässig von einer Seite der Bühne zur anderen läuft, bis es sich schließlich von der Aura des Märchenbuchs einnehmen lässt. Der Bücherwurm hat Erkennungsgegenstände von Rotkäppchen, Aschenputtel, Froschkönig und Hase und Igel bei sich. Kinder suchen nach ihnen, und der Korb mit Kuchen, die goldene Kugel, der Schuh und die Hasenohren mit dem Igel werden richtig den vier Märchen zugeordnet. Vor der Projektion einer märchenhaften Burg wird der Verlust der Gegenstände beklagt. Der Chor bestätigt aus dem Off jeden einzelnen Fund.
Das Mädchen und sein Begleiter sind nun beim Fantasiebuch angelangt und in einer verzaubernden Szene mit sanften Klavierklängen machen die beiden es sich bequem und betrachten eine Schattenleinwand, hinter der Kinder Fantasiegestalten bilden, liebenswert unperfekt, werden aber vom Mädchen schnell erraten.
Die nächste Station ist das Detektivbuch. Hier wird dem Verlust eines so wertvollen Einhornstifts nachgegangen. Taschenlampeneinsatz, Kommissar, Täteridentifikation – und das letzte Buch führt bei Dämmerlicht, Vogelgezwitscher und Nebel in den Wald.
Zu Einaudi-Klängen irrlichtern Waldgeister mit einem langen Band und lassen es in magischem Schwarzlicht tanzen. Die Aktion lässt an die normalerweise unsichtbaren Myzele denken. Bekannte Pilzarten wie Champignon, Knollenblätter- oder Fliegenpilz finden Erwähnung. Die große Bücherhimmelprojektion bildet ein zweites Mal den Hintergrund, nun für den Schlussakt.
Das Mädchen muss nur noch zurück in sein häusliches Umfeld gelangen. Aber die vier Sandwichbücher verlangen von ihm die Parole für freies Durchkommen, wenn es die auf Plakaten gezeigten Begriffe in die richtige Reihenfolge bringt: und weckt / Lesen macht / die Fantasie / schlau. Mehrere Versuche sind nötig, um freien Durchgang zu bekommen. Und natürlich braucht's nun noch einen Abgesang „Lesen heißt auf Wolken fliegen.“
Das Stück war für die vielen Mitwirkenden ein von langer Hand vorbereitetes und begleitetes Projekt „Stark durch Theater in der Grundschule“, an dem sich die Schule über insgesamt drei Jahre hinweg beteiligt. In Kleinarbeit brachten sich die Kinder ein, indem sie von ihren Lesegewohnheiten und Vorlieben erzählten. Das war dann der Grundstock für das Theaterstück, dem dann zusammen mit ihren Leiterinnen Szenenentwicklung, Dialogauswahl und musikalische Anreicherungen folgten. Mehr als 50 Kinder waren in diese Kreativarbeit eingebunden und erfüllten somit die Erwartung, die mit dem Projekt verbunden ist. Die Kinder spielten frei und ungezwungen, waren nicht durch zu viel Text gehemmt, beherrschten den Ablauf problemlos und hatten sich in ihrem Sprechen gut der Größe des Gebäudes angepasst. Die Thematik ist aktueller denn je, wo doch die Einschränkung des Handygebrauchs heftig diskutiert wird. Die Schule hat ihre Kernaufgabe, erziehlich zu wirken und mit Alternativen aufzuwarten, auf liebenswürdig leichte Weise wahrgenommen, jenseits jeglichen Schwingens des pädagogischen Zeigefingers. Bleibt da noch ein Wunsch offen?
Text: Wolfram Brüninghaus
Fotos: Martin Steinborn
Des Vorhangs hätte es nach diesem musikalischen Auftakt nicht bedurft, denn sogleich tritt der große Chor auf und besingt mehrstrophig die kindliche Leseleidenschaft. Es ist erstaunlich, mit welcher Konzentration und Textsicherheit die Kinder vokalen Wohlklang hören lassen, auch wenn schließlich zum Orff-Einsatz noch Playback-Begleitung dazukommt. Nach dem Abtreten wird der Blick frei auf die zu große Projektion eines, Kinderzimmers, vor dem ein Mädchen sich schimpfend über die lästige Hausaufgabe auslässt, bis sein Blick auf die gefüllte Bücherkiste fällt. Da wird kurzentschlossen aussortiert und weggeworfen. Aber das ist ja nun die Höhe! Vier Bücher melden sich entrüstet mit Sandwich-Plakaten behängt zu Wort: Das Märchenbuch, das Fantasiebuch, das Pilz-Sachbuch und das Detektivbuch. Sie bringen das Mädchen zur Räson.
Nach einem Zwischenspiel von Klavier und Glockenspiel erscheint vor einer riesigen Projektion fliegender Bücher bei Schönwetterhimmel der resolute Bücherwurm mit seinem schlaffen Sack, der an einen Wurmfortsatz erinnert, um das Mädchen durch das Zauberreich dieser vier Bücher zu begleiten. Der tritt musikalisch mit dem großen Chor auf, denn ihm zu Ehren wird ja das Lied vom Bücherwurm gesungen, währenddessen das Mädchen immer noch aufsässig von einer Seite der Bühne zur anderen läuft, bis es sich schließlich von der Aura des Märchenbuchs einnehmen lässt. Der Bücherwurm hat Erkennungsgegenstände von Rotkäppchen, Aschenputtel, Froschkönig und Hase und Igel bei sich. Kinder suchen nach ihnen, und der Korb mit Kuchen, die goldene Kugel, der Schuh und die Hasenohren mit dem Igel werden richtig den vier Märchen zugeordnet. Vor der Projektion einer märchenhaften Burg wird der Verlust der Gegenstände beklagt. Der Chor bestätigt aus dem Off jeden einzelnen Fund.
Das Mädchen und sein Begleiter sind nun beim Fantasiebuch angelangt und in einer verzaubernden Szene mit sanften Klavierklängen machen die beiden es sich bequem und betrachten eine Schattenleinwand, hinter der Kinder Fantasiegestalten bilden, liebenswert unperfekt, werden aber vom Mädchen schnell erraten.
Die nächste Station ist das Detektivbuch. Hier wird dem Verlust eines so wertvollen Einhornstifts nachgegangen. Taschenlampeneinsatz, Kommissar, Täteridentifikation – und das letzte Buch führt bei Dämmerlicht, Vogelgezwitscher und Nebel in den Wald.
Zu Einaudi-Klängen irrlichtern Waldgeister mit einem langen Band und lassen es in magischem Schwarzlicht tanzen. Die Aktion lässt an die normalerweise unsichtbaren Myzele denken. Bekannte Pilzarten wie Champignon, Knollenblätter- oder Fliegenpilz finden Erwähnung. Die große Bücherhimmelprojektion bildet ein zweites Mal den Hintergrund, nun für den Schlussakt.
Das Mädchen muss nur noch zurück in sein häusliches Umfeld gelangen. Aber die vier Sandwichbücher verlangen von ihm die Parole für freies Durchkommen, wenn es die auf Plakaten gezeigten Begriffe in die richtige Reihenfolge bringt: und weckt / Lesen macht / die Fantasie / schlau. Mehrere Versuche sind nötig, um freien Durchgang zu bekommen. Und natürlich braucht's nun noch einen Abgesang „Lesen heißt auf Wolken fliegen.“
Das Stück war für die vielen Mitwirkenden ein von langer Hand vorbereitetes und begleitetes Projekt „Stark durch Theater in der Grundschule“, an dem sich die Schule über insgesamt drei Jahre hinweg beteiligt. In Kleinarbeit brachten sich die Kinder ein, indem sie von ihren Lesegewohnheiten und Vorlieben erzählten. Das war dann der Grundstock für das Theaterstück, dem dann zusammen mit ihren Leiterinnen Szenenentwicklung, Dialogauswahl und musikalische Anreicherungen folgten. Mehr als 50 Kinder waren in diese Kreativarbeit eingebunden und erfüllten somit die Erwartung, die mit dem Projekt verbunden ist. Die Kinder spielten frei und ungezwungen, waren nicht durch zu viel Text gehemmt, beherrschten den Ablauf problemlos und hatten sich in ihrem Sprechen gut der Größe des Gebäudes angepasst. Die Thematik ist aktueller denn je, wo doch die Einschränkung des Handygebrauchs heftig diskutiert wird. Die Schule hat ihre Kernaufgabe, erziehlich zu wirken und mit Alternativen aufzuwarten, auf liebenswürdig leichte Weise wahrgenommen, jenseits jeglichen Schwingens des pädagogischen Zeigefingers. Bleibt da noch ein Wunsch offen?
Text: Wolfram Brüninghaus
Fotos: Martin Steinborn




